Heft 2/2014 & 1-2015 erschienen

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Die neue Ausgabe des Kölner Journals als Doppelnummer ist erschienen (Bestellung Nomos-Verlag). Mit Beiträgen von:

Jeremias Amstutz und Peter Zängl: Das Unentscheidbare entscheiden – Skizze eines Forschungsfeldes zum Umgang mit Informationen

Orientiert am Garbage Can Modell beschreiben wir, wie Entscheidungen in sozialen Systemen getroffen werden. Wir legen unser Augenmerk auf verschiedene Zwickmühlen zwischen dem Management und den Mandaten der Profession der Sozialen Arbeit und ihren Organisationen. Auf der Handlungsebene setzen wir uns vertieft mit der Bedeutung von Informationen und Informationssystemen auseinander und streifen dabei Themen wie Strategisches Management, Controlling und Issues Management. Im Wissen um das Entscheidungsdilemma, dass auch informationsbasierte Entscheidungen nicht plan- oder steuerbarer sind, skizzieren wir ein Forschungsfeld, das eine empirische Auseinandersetzung mit Entscheidungen in Organisationen der Sozialwirtschaft erfordert.

Susanne Vaudt: Interorganisationales Prozessmanagement mit Dienstleistungsketten am Bsp. eines Unterstützungsnetzwerkes für Alleinerziehende in BielefeldInterorganisationales

Prozessmanagement lässt sich als koordinierte Abfolge aller notwendigen Unterstützungsleistungen verstehen, mit denen bei Nutzer/innen einer spezifischen Zielgruppe ein vorausgehender Bedarf gedeckt werden soll. Dies schließt die Verknüpfung sozialer Dienstleistungen auch unterschiedlicher institutioneller Akteure mit ein. Methodisch gelingt die interorganisationale Verknüpfung mit der Konstruktion einer Dienstleistungskette. Im Rahmen des Aufbaus eines Unterstützungsnetzwerkes für Allereinziehende in Bielefeld wurde eine solche Dienstleistungskette entwickelt. Vorgestellt werden die schrittweise Entwicklung und Erfahrungen der prozessbeteiligten Akteure.

Reiner Adler: Generation Betreuerpraktikum: Agenturtheoretische Analysen zur Attraktivität der Betreuungsbranche für die Sozialarbeit

Der Beitrag zeigt, dass die Agenturtheorie tauglich ist zur Untersuchung der Attraktivität der professionellen rechtlichen Betreuung für qualifizierte Sozialarbeiter.[1] Weiter wird deutlich, dass über die Agenturtheorie praktische Vorschläge zur Lösung von Qualitätsproblemen im rechtlichen Betreuungswesen ableitbar sind. Dazu werden deskriptive und mathematische Perspektiven der Agenturtheorie angewandt. Die Heuristik der Agenturtheorie zeigt empirische Phänomene der adversen Selektion, insofern der Einstieg in die Berufsbetreuung für unqualifizierte Berufsaspiranten besonders attraktiv ist. Diese Beobachtung macht auf Potenziale problematischen Agentenverhaltens aufmerksam, die im Betreuungsrecht selbst angelegt sind. Die agenturtheoretische Modellierung legt nahe, dass in der frühen Ehrenamtsphase die wirksamsten Steuerungspotentiale liegen. Später verhindern die verhaltensorientierte Anlage des Agenturvertrags im Betreuungsrecht zusammen mit dem geringen ökonomischen Risiko sowie dem geringen Versagensrisiko eine Selektion qualifizierter und unqualifizierter Berufsbetreuer. Der Beitrag schlägt aufgrund der agenturtheoretischen Modellierung vor, die ehrenamtliche Betreuungsphase nur für unqualifizierte Berufsaspiranten aufrecht zu erhalten und dort effektiv auszugestalten. Qualifizierte Sozialarbeiter sollten unmittelbar zur Berufsbetreuung zugelassen werden, damit der Betreuungsberuf für diese Zielgruppe attraktiver wird.

Verena Klomann: Organisationskulturelle Prägungen als zentrale Einflussgrößen der Professionalität Sozialer Arbeit

Professionalität Sozialer Arbeit – so zeigen die Ergebnisse einer im Jahr 2012 bei den Sozialen Diensten der Jugendämter im Rheinland durchgeführten empirischen Untersuchung – wird wesentlich durch die jeweiligen Organisationen und deren Organisationskultur geprägt und beeinflusst. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich zentrale Anknüpfungspunkte für die Etablierung und Weiterentwicklung der Profession Soziale Arbeit ableiten, die vor allem auch für das Management Sozialer Organisationen – gerade in Zeiten knapper Ressourcen, wohlfahrtsstaatlicher Veränderungen und verstärkter Wirksamkeitsanfragen – von besonderer Bedeutung sind.

Claudia Rahnfeld: Zum Wandel professioneller Arbeitsfelder in der Sozialen Arbeit – Warum kommunales Bildungsmanagement und -monitoring SozialarbeiterInnen vor neue berufliche Handlungsfelder stellen wird 

Im Mittelpunkt des Beitrages steht die These, dass die Soziale Arbeit wissenschaftlich und praktisch zunehmend mit den Themen des Aufbaus eines Bildungsmanagements auf kommunaler Ebene und einer (bisher nur zum Teil damit verbundenen) sozialraumorientierten Arbeitsweise konfrontiert sein wird, die sie vor neue marketing- und managementorientierte Anforderungen stellen wird. Gestützt wird diese These durch zentrale Entwicklungen, die an dem theoretischen SONI-Modell der Sozialraumorientierung und dem Bundesprogramm „Lernen vor Ort“ verdeutlicht werden sollen. In Ableitung dessen werden die Managementkompetenzen erörtert, die SozialarbeiterInnen zunehmend benötigen- unabhängig in welchem konkreten Arbeitsfeld sie sich befinden.

Thomas Prinz: Wirkungsorientierte Zielkostenrechnung (Target Costing)

Dieser Beitrag modelliert eine wirkungsorientierte Zielkostenrechnung für den Einsatz im Sozialmanagement am Beispiel einer Maßnahme der Hilfen zur Erziehung und greift dabei auf die Zielkostenrechnung (Target Costing), die Prozesskostenrechnung und ein Modell zur Bewertung von Prozess-Ziel-Zusammenhängen zurück. Nach einer theoretischen Einführung wird die Zielkostenrechnung für die Anwendung in der Sozialwirtschaft adaptiert und beispielhaft an einem Prozess der Hilfen zur Erziehung angewendet. Es zeigt sich, dass das betriebswirtschaftliche Instrument Zielkostenrechnung mit seiner Denkrichtung (vom Marktpreis zu den Kosten) sehr gut im Sozialbereich angewendet werden kann und die wirkungsorientierte Steuerung sozialer Organisationen (vom Outcome zum Input) mit Informationen unterstützen kann.