Call for Paper

„Antikategorialer Imperativ“ – Soziale Netzwerke verstehen und analysieren

Sozial-, Politik-, Wirtschafts-, Kultur- sowie Geisteswissenschaften versuchen, Gesellschaft oder Teilsysteme aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus zu verstehen oder zu erklären. Auch wenn diese Wissenschaften in ihren Themenfeldern und Herangehensweisen zum Teil recht unterschiedlich sind, wird das Soziale meist vor dem Hintergrund klassischer Attribute von Individuen (z. B. Alter, Geschlecht) bzw. von Gruppen (z. B. Ethnie) eruiert. Hierbei werden soziale Einheiten meist als unabhängig betrachtet.

Vor dem Hintergrund des antikategorialen Imperativs soll Soziales neu gedacht werden. Neben den oben genannten klassischen Kategorien sollen vor allem relationale Aspekte und damit die Einbettung von sozialen Einheiten in ihr Umfeld stärker in den Fokus rücken. Wie beispielweise entstehen soziale Netzwerke, welche Bedeutung besitzen diese, wie verändern sie sich und welchen Einfluss haben sie auf das soziale Verhalten?

Die Annäherung an den antikategorialen Imperativ kann aus unterschiedlichen Richtungen geschehen. Auf theoretischer Ebene können dies „Grand Theories“ sein, die auf klassischen Ansätzen wie z. B. jenen von Norbert Elias, Siegfried Nadel, George Simmel basieren oder auch neuere Ansätze, wie beispielsweise von Harrison White, John Padgett, Mustafa Emirbayer oder auch Bruno Latour, die alle vor allem das Relationale in den Fokus stellen. Aber auch Ansätze, die nicht explizit relational sind, aber dennoch Erklärungsgehalt für die Netzwerkanalyse liefern können, sind hier eingeschlossen. Theorien der „mittleren Reichweite“, wie beispielsweise von Mark Granovetter (strong and weak ties), Ronald Burt (Structural Holes) oder von Pierre Bourdieu sowie Nan Lin (Sozialkapital), sind hier ebenfalls von großer Bedeutung. Zudem kann sich dem Forschungsfeld qualitativ wie quantitativ genähert werden. Hierbei existieren wiederum neue Erhebungs- wie auch Auswertungsverfahren. Zu nennen wären hier beispielsweise Netzwerkkarten, Onlinefragebögen, ERGMs oder auch Blockmodelle. Daneben nimmt die Anwendungen von Netzwerken in der Praxis und in verschiedenen Anwendungsfeldern (z.B. Intervention oder auch Evaluation) eine immer größere Rolle ein.

Diese Tagung möchte somit nicht nur unterschiedliche Disziplinen ansprechen, sondern auch versuchen, Theorien, methodische Verfahren und Praxisanwendung – vor dem Hintergrund der relationalen Analyse – zusammenzubringen und zusammenzudenken. Die Tagung soll daher ein Forum für innovative und neue Ideen eröffnen.

Fragestellungen könnten wie folgt lauten, sollten dennoch nicht auf diese Ideen beschränkt sein:

  • Wie können „nicht-relationale“ und/oder relationale Theorien empirisch umgesetzt werden? Dies kann theoretisch jedoch auch anhand konkreter Forschung nachgezeichnet werden.
  • Wie verändern sich Netzwerke über die Zeit? Wie entstehen diese und wie wirken sich diese auf das Soziale aus? Wie kann dies erklärt werden?
  • Wie können klassische Theorien in den neuen Diskurs über den Rationalismus eingebunden werden? Welche Rolle spielen neuere Ansätze und wie können diese in die Forschung intergiert werden?
  • Wie können „Diskursnetzwerkanalyse“ oder „Netzwerkanalyse und Sinnstrukturen“ miteinander verbunden werden?
  • In welcher Beziehung stehen Netzwerke und Systeme? Welchen Beitrag leistet die Komplexitätsforschung?
  • Wie werden neue Erhebungs- und Auswertungsverfahren angewandt und welche Probleme ergeben sich dabei?

Interessenten würden wir bitten ihre Abstracts (250-350 Wörter) bis 31.Mai 2015 an folgende E-Mail zu senden: m.gamper@uni-koeln.de

Wir möchten darauf verweisen, dass das wir auf Basis der Tagung ein Sammelband zum Thema planen.

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